Eine Nikolausgeschichte – Dankbarkeit und andere Geschenke

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Clara hatte ein gutes Jahr. Sie hatte nicht viele Seminare und konnte ihre Freizeit mit den schönen Dingen des Lebens füllen. Keine Uni-Party blieb unbesucht und jeder Trendartikel liegt bereits in ihrer Wohnung. Clara hat Glück, denn ihre Eltern können sie finanziell stützen. Wie jedes Jahr fährt sie über Nikolaus zu ihrer Familie.

Alle sitzen gemütlich zusammen, essen und bekommen anschließend einen kleinen Flechtkorb überreicht. In ihm liegt eine weihnachtliche Serviette ausgeklappt, darauf einige Mandarinen und Walnüsse. Mittig thront ein Schokonikolaus, der beinahe völlig durch eine Aufklappkarte aus Papier verdeckt wird. Vorne ist in kindlicher Schrift geschrieben: „Vom Nikolaus.“ Claras jüngerer Bruder hatte die Karte gebastelt und verziert. Im Inneren findet man das gemalte Bild des Nikolauses mit einigen Tannenzweigen und etwas Schnee zu seinen Füßen. Clara möchte es sich nicht anmerken lassen, doch sie ist enttäuscht. Schließlich bekam sie im vorherigen Jahr noch diese tolle Armbanduhr, die sie sich so sehr gewünscht hatte. Bisher konnten ihre Eltern jeden ihrer Wünsche erfüllen. Sei es die Miete ihrer Wohnung, das kleine Auto, um entspannter zur Uni zu kommen oder die Semestergebühren. Keines dieser Dinge sollte Clara Sorgen bereiten.

Der Abend vergeht und Clara fährt die einsame Landstraße in Richtung ihrer Wohnung entlang. Das Radio spielt besinnliche Weihnachtsmusik, doch Clara spürt nur den Gräuel in ihrem Bauch, nicht ausreichend beschenkt worden zu sein. Dieses Gefühl soll noch einige Zeit für schlechte Laune bei ihr sorgen.

Wenige Tage später sitzt Clara mit Maren, Julia und Lisa zusammen und sie unterhalten sich über die bevorstehenden Weihnachtsfeiertage. Maren erzählt, dass sie und ihre Familie über die Feiertage in die Schweizer Berge reisen, während Julia jeden Feiertag in einem anderen dieser Restaurants, bei denen man vorsorglich einige Monate vorher reservieren sollte, verbringt. Als nächstes erzählt Lisa etwas zurückhaltend, dass ihr Vater seit einigen Wochen arbeitslos ist und es in diesem Jahr wohl nicht einmal für einen Baum reichen wird. Lisa wird an Heiligabend und dem ersten Weihnachtsfeiertag vormittags kellnern und abends die Betten eines örtlichen Hotels machen. Ihre Familie hat sich auf selbstgemachte Geschenke geeinigt, also wird Lisa die kommenden Abende mit dem Basteln eines Fotoalbums aus den schönsten Familienfotos verbringen.

Clara ist schockiert. Nie hatte es bei ihr ein Weihnachtsfest gegeben, bei dem der Raum nicht prachtvoll geschmückt und von einer reichlich verzierten Tanne geprägt war. Für jeden lagen mehrere Geschenke unter dem Baum und der lange Tisch war übersäht von Köstlichkeiten aller Art. Dann fällt Clara auf, dass Lisa nicht traurig zu sein scheint. Im Gegenteil, sie erzählt begeistert von ihrem Fotoalbum und wie sie die Bilder anordnen möchte. Sie sagt, dass sie sich auf Kartoffelsalat, Wiener Würstchen und das Singen der Weihnachtslieder freut. Clara hatte nie darüber nachgedacht, doch wird ihr nun bewusst, dass sie Lisa kein einziges Mal auf einer der Unipartys und nur selten in der Cafeteria gesehen hatte. An diesem Nachmittag ging Clara mit einem merkwürdigen Gefühl nach Hause. Wie schaffte es Lisa, trotz der Entbehrungen und den Anstrengungen, die sie für ein einfaches Fest mit ihrer Familie leisten musste, glücklich und dankbar zu sein? Als Clara ihre Wohnung betritt, fällt ihr Blick auf das Nikolauskörbchen. Sie öffnet die Karte und entdeckt das kleine Herzchen in der unteren rechten Ecke, in das „Für Clara“ hineingeschrieben wurde, ehe sie zu ihrem Handy greift, die WhatsApp-Gruppe ihrer Familie öffnet und tippt: „Danke, lieber Nikolaus 😊“

Woran liegt es, dass wir so oft den Blick für das Wesentliche verlieren und uns auf die falschen Dinge konzentrieren? Wieso scheint es so viel wichtiger, welche Uhr wir tragen oder ob wir dasselbe Beautyprodukt benutzen wie eine bekannte Influencerin? In einer Welt wie unserer, in der unzählige Eindrücke und Sorgen den Alltag bestimmen, verliert man gerne den Blick für das Wesentliche. Geht es mir gut? Bin ich gesund? Geht es den Menschen, die ich liebe, gut und sind sie gesund? Wann habe ich zuletzt meine Eltern oder Großeltern angerufen, nur um zu fragen, wie es ihnen geht? Dankbarkeit für die Kleinigkeiten unseres Lebens scheint eine der schwierigsten Dinge zu sein, denen man sich heut annehmen kann. Oft ist der Kopf zu voll mit anderen Problemen: Das Internet ist heute ziemlich langsam, ein stressiger Termin wird vorverlegt oder der Zug verspätet sich mal wieder. Nicht selten fehlt schlichtweg die Zeit, um die kleinen Dinge überhaupt zu bemerken. Wann hast du dich das letzte Mal gefreut, als drei Ampeln nacheinander grün waren, als du einen 5-Euro-Schein in einer alten Jacke gefunden hast oder als du einen Aufzug gerufen hast und er bereits auf deiner Etage war? Die kleinen Dinge scheinen oft so nichtig, doch könnten sie unsere Laune und damit den ganzen Tag um einiges besser machen.

Wir von der Campus Consult Projektmanagement GmbH wollen uns Dankbarkeit künftig bewusst machen, denn eigentlich reicht es nicht, nur einmal im Jahr zur besinnlichen Jahreszeit darüber nachzudenken, wofür man dankbar sein kann. Wem die grüne Ampel und kurze Wartezeiten auf Aufzüge nicht reichen, kann gerne über den eigenen Tellerrand hinausschauen:

Zahlreiche Unternehmen engagieren sich zunehmend für unsere Umwelt. 2019 haben viele Bäckereien die Ware vom Vortag zum halben Preis verkauft und den Gewinn gespendet. Im vorherigen Jahr gingen noch 50% aller produzierten Waren verloren. Ein anderes Unternehmen sammelt Zigarettenstummel, säubert und recycelt sie und macht daraus unter anderem Möbel und Büroinventar. Auch der steigenden Verwendung von Plastikprodukten wurde weltweit der Kampf angesagt. Viele Supermärkte bieten plastikfreies Obst und Gemüse an, während ganze Länder oder Staaten komplett auf Plastiktüten oder Einmalplastik verzichten.

Wir glauben, dass die Welt, in der wir leben, voll von Wundern und fantastischen Dingen ist. Dass selbst, wer kein Fan von grünen Ampeln ist, er auf jeden Fall und auch jeden Tag einen Grund zum Dankbarsein findet. Das Lächeln der eigenen Tochter, das große Randstück vom Geburtstagskuchen des Kollegen oder der Bus, der wie durch Magie zwei Minuten Verspätung hat und somit dein Verschlafen ausgleicht: Für jeden sollte etwas dabei sein, sich Tag für Tag zu freuen, Teil unserer wunderbaren Welt zu sein! 😊

Wir sind dankbar für unsere Familien, unsere Freunde, dass wir gesund sind und jeden Tag zusammen und mit euch arbeiten und so viel erreichen können. Wir freuen uns auf ein tolles und spannendes Jahr und wünschen besinnliche Feiertage! 😊


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