Menschenkenntnis – was bringt sie dir?

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Es ist Montagmorgen und Maike ist seit Tagen aufgeregt, während Anne dem heutigen Termin gelassen entgegensieht. Beide haben einen Termin zum Vorstellungsgespräch – im gleichen Unternehmen und für die gleiche Position. Der Ansprechpartner des Unternehmens ist ein älterer Herr im Anzug, der knappe Fragen stellt und keine Miene verzieht. Maike lässt sich dadurch noch mehr verunsichern und wird während des Gesprächs immer nervöser. Es gelingt ihr nicht, sich auf ihren Gesprächspartner einzulassen, wohingegen Anne sich nicht aus der Ruhe bringen lässt. Sie weiß, dass sein Verhalten nichts mit ihr zu tun hat, daher antwortet sie ihm selbstbewusst und direkt. Wer von beiden hat den Job wohl bekommen?

Obwohl beide in etwa den gleichen Lebenslauf haben, ist die Entscheidung schlussendlich auf Anne gefallen. Während Maike keine der Fragen selbstsicher beantworten konnte, hat Anne sich auf ihren Gesprächspartner und die Situation eingestellt und ihn so von sich überzeugt. Diese Entscheidung verdeutlicht, dass Fähigkeiten oder Erfahrungen nicht immer ausschlaggebend für eine Auswahl sein müssen.

Vielleicht geht es dir in manchen Situationen ähnlich wie Anne oder Maike? Die Ursache dafür, wieso wir in solche Situationen geraten, ist, dass wir das Gefühl haben, keinen Draht zu unserem Gegenüber zu bekommen. Wir wissen nicht, wie wir unseren Standpunkt so vermitteln können, dass er richtig verstanden wird. Der Umgang mit solchen Situationen wäre jedoch manchmal einfacher, wenn wir uns besser in den Anderen hineinversetzen könnten. Dann wüssten wir ganz genau, wie wir auf Fragen oder Situationen reagieren sollten. Aber wie lerne ich die „Sprache“ des Anderen und wie überzeuge ich jemanden z.B. in einem Vorstellungsgespräch? Ziel sollte es doch sein, mit Menschen problemlos kommunizieren zu können, auch wenn wir sie kaum kennen. Damit dir dies in Zukunft besser gelingt, kannst du lernen, das menschliche Verhalten zu verstehen und dadurch deine Menschenkenntnis zu verbessern. Zwar lassen sich Personen nicht in Schubladen packen, aber wir können ihnen bestimmte Charaktertypen zuordnen. So geben unsere Bewegungen, die Redeweise und der Umgang mit Stresssituationen zum Beispiel Hinweise darauf, was für ein Typ jemand ist. Wenn wir uns mit jemandem unterhalten, nehmen wir den Inhalt zwar wahr, im Unterbewusstsein wird das Gespräch aber vor allem von der Körperhaltung, Mimik, Gestik und dem Tonfall beeinflusst. Dies bestätigen auch einige Studien, die belegen, dass wir 58 % über die Körpersprache wahrnehmen, 35% durch die Stimmer und nur 7% durch die tatsächlich ausgesprochenen Worte.

Aber was genau nützen dir bessere Menschenkenntnis? Sie helfen dir u.a. dabei, dass du lernst…

… effektiver zu kommunizieren

… dich selbst zu reflektieren

… mit schwierigen Charakteren umzugehen

… Energie zu sparen

… das Vertrauen des Gegenübers zu gewinnen

… deine Stärken und Schwächen optimal einsetzen zu können

Wichtig ist, dass es nicht darum geht, deinen Gegenüber zu manipulieren oder zu verändern. Vielmehr geht es um eine verbesserte Kommunikation untereinander und das Verständnis von Stärken und Schwächen. Lass dir bewusst Zeit für die Beobachtung, denn die Schwierigkeit des Wahrnehmens liegt darin, Dinge zu bemerken, ohne dass es dem Anderen auffällt. Dadurch lernst du auch, das Verhalten deines Gesprächspartners in einen größeren Zusammenhang einzuordnen und dich auf die Situation einzulassen.

Wenn du deine Menschenkenntnis verbessern möchtest, musst du in erster Linie herausfinden, was für ein Typ du selber bist. Wie wirkst du auf deine Mitmenschen? Wie kannst du dich und deine Stärken optimal präsentieren und positiv hervorheben? Wie schaffst du es, das Vertrauen Anderer zu gewinnen? Vielleicht bist du, wie Maike auch, ein sehr schüchterner Mensch und es fällt dir schwer, Situationen richtig zu interpretieren. Oder bist du eher wie Anne und kannst dich schnell an neue Situationen und Menschen anpassen? Um diese und andere Fragen beantworten zu können, hat Frank M. Scheelen das 4-Farben Modell entwickelt. Hierbei wurden verschiedene Persönlichkeitstypen vier Farben zugeordnet:

  • Rot: Macher und Entscheider, die ihr Ziel klar vor Augen haben
  • Blau: Analytiker, die ein Problem so lange angehen, bis es eine perfekte Lösung gibt
  • Grün: vertrauenswürdig und an echten Beziehungen interessiert
  • Gelb: kreativ, kontaktfreudig und sehr begeisterungsfähig

Die Farben stehen stellvertretend für die vorherrschende Charaktereigenschaft einer Person und stellen jeweils den Idealtyp dar. Auch wenn jeder Mensch einzigartig ist und in Situationen anders reagiert, finden sich immer welche, deren Charakterzüge sich stark ähneln. Allerdings wirst du merken, dass es auch Menschen gibt, die sich auf den ersten Blick nicht direkt zuordnen lassen. Das liegt daran, dass jeder von uns Anteile aller vier Farben hat.  

Wenn du neugierig geworden bist und wissen möchtest, in welcher Farbe du dich einordnen kannst und wie du z.B. ein Bewerbungsgespräch gelassener angehen kannst, bleib gespannt, was wir dir im nächsten Blogbeitrag dieser Reihe zu den einzelnen Farben der Persönlichkeitstypen erzählen. 😊

Stay tuned! 😊

Quelle: Frank M. Scheelen (2016). Menschenkenntnis Auf einen Blick – Sich selbst und andere besser verstehen. 2. Auflage. MVG Verlag: München 

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