Mittwoch – Die Hälfte geschafft! Oder doch nicht?

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Nun ist der da, der Tag. Der Tag, an dem die Anfangsmüdigkeit einer jeden Woche nicht mehr als Ausrede zählt und man von den Dienstagsaufgaben derart erledigt ist, dass man nun eigentlich schon wieder ein Wochenende bräuchte. Am Montag noch fast vom Gift des Wochenend-Jetlags dahingesiecht, schob man alles auf den Tag darauf und nun kriecht

man schon wieder auf dem Zahnfleisch, während man bestrebt ist, bei allen sechs Meetings stets bemüht zu wirken. Die Mitte einer jeden Sache wirkt doch oft als verlorener Punkt, als schattiger Platz einer hoffnungsvollen Reise und als minimaler Depressionsauslöser. Sicher, die erste Hälfte scheint geschafft und der Rest muss doch auch noch irgendwie machbar sein? Weit gefehlt! Auf dem Höhepunkt einer jeden Fahrt kann es ja eigentlich nur noch bergab gehen. Die Gefahr der Talfahrt besteht hauptsächlich aus den steinigen Hügeln. Jeder dieser Hügel vermittelt den Eindruck, dem Wochenende viel näher zu sein, als man tatsächlich ist. Ehe man sich versieht, wird die Enttäuschung über den Freitag zunehmend größer, weil man feststellt, dass erst Mittwoch ist. Es dauert nicht lange, da schlagen zwei Herzen in der Brust. Das eine versucht, die Leiden des jungen Montags und das Grauen des vollgepackten Dienstags hinter sich zu lassen, um die Bergetappe elanvoll und erfolgsgerichtet abschließen zu können. Das andere erkennt den Druck der Mitte, die Erwartung des Machbaren und den fehlenden Sattel seines Mountainbikes, was den hügeligen Abstieg zur unangenehmen Prostatauntersuchung werden lässt. Frei nach dem Motto „Die Hälfte ist geschafft, den Rest packen wir auch noch!“ nehmen sich die Optimisten dieses Tages an und verwirklichen ihren Tatendrang mitunter anhand folgender Mantras:

  1. Fast 3 Tage geschafft, besser geht es doch gar nicht!
  2. Super, Bergfest!
  3. Nichts erfreut an einem Montag mehr, als festzustellen, dass bereits Mittwoch ist!

Sicher, der ein oder andere erkennt in diesen Ausrufen nicht nur pure Motivation, sondern vielmehr den Tiefpunkt einer jeden Wochenmitte. Scheint es zwar viel einfacher, den Tag mit einem Lächeln zu beginnen, bedient sich der Konterpart doch einiger wohldurchdachter Argumente, dem Mittwoch als Montag 2.0 zu begegnen.

  1. Nichts erschüttert an einem Freitag mehr, als festzustellen, dass bereits Mittwoch ist!
  2. Bergfest? Wenn ich heute zwei zum Preis von einem trinke, vergeht Donnerstag dank Katerschläfchen zwischendurch im Nu und Freitag ist ja eh schon Wochenende!
  3. Bestimmt erwartet man von mir am Höhepunkt dieser Woche auch den Höhepunkt meiner Leistungsfähigkeit. Am besten bleibe ich heute im Bett.
  4. Mittwochmorgens und die Hälfte soll schon geschafft sein? Stimmt ja gar nicht, mit heute folgen noch drei volle Tage…

Die Frage nach dem halbvollen oder halbleeren Glas war wohl nie angebrachter. Man kann 50 Leute in einen Raum setzen und sie bitten, 50 halbleere Gläser Wasser zu trinken. Die eine Hälfte würde sie trinken, schließlich ist Wasser gesund und die Menge ist absolut überschaubar, während die andere Hälfte lediglich abgestandenes Wasser, wahrscheinlich vermischt mit dem Speichel des vorherigen Trinkers vor sich sieht. Da weiß Gott nicht immer ein Wasserfilter zur Stelle ist, wird Mittwoch wohl immer der elendige Tag sein, der die Ungeduld auf das Wochenende schürt und die letzten, fröhlichen Erinnerungen vergangener Samstage eliminiert. Wer diese Denke teilt, dem sei gesagt: Erinnerst du dich an den letzten, schaurig-steilen Hügel, den du mit deinem alten Drahtesel hinaufgekraxelt bist? Vielleicht war es letzte Woche, vielleicht vor 12 Jahren, aber wenn du dich genau erinnerst, welcher Moment war wohl der Beste? Bestimmt nicht der, als dir nach sechs bis acht Metern klar wurde, dass du nicht die Sportskanone bist, für die dich alle (du vorweg) immer hielten. Auch nicht jener, als der Kampf zwischen deinen brennenden Oberschenkeln und deinem Über-Ich entfachte, denn keiner der drei Fremden am Wegrand sollte die Schmach erkennen, welche du durch ein vorzeitiges Absteigen und Schieben deines Zweirades erleiden solltest. Zunächst würde man an den Moment des absoluten Höhepunktes denken, wenn die Qual durchstanden und der Wind die Fahrt nicht mehr erschwert, sondern dankend die feuchten Haare aus dem Gesicht bläst. Eventuell ist es der Moment der Hinabfahrt, als die attraktive junge Frau hinüberschaut und du es schaffst, dein abgehetztes Schnaufen für eine Sekunde hinter einem geschlossenen Mund zu verstecken. Jeder dieser Momente hat seine Berechtigung und lässt den schweißtreibenden Aufstieg umso lohnender wirken, doch ist der beste Moment ein ganz anderer. Die Oberschenkel brennen, die Waden kribbeln und der rechte Lungenflügel ist bereits kollabiert. Es bräuchte bei Weitem nicht mehr viel und du würdest noch im Sattel sitzend auf der Straße liegen, doch was kommt dann? Das einmalige Hochgefühl, kurz vor dem Bezwingen des Berges zu stehen! Kurz vor dem Gipfel aufgeben? Niemals! Jetzt heißt es, den nassen Pony aus der Visage wischen und mit flacher Hand die Oberschenkel solange bearbeiten, dass wieder Blut durch ihre Adern fließt. Die letzten fünf Meter, seien sie auch noch so schmerzhaft, sind doch Lohn und Dank für alles, was zuvor den Schweiß in die Augen trieb. Jetzt kannst du durchaus stolz sein. Stolz darüber, nicht abgestiegen zu sein, nicht geweint und nur in Maßen geflucht zu haben.

Natürlich, Mittwoch ist nicht Donnerstag und schon gar nicht Freitag, geschweige denn Samstag, doch befinden wir uns spätestens ab der Mittagspause viel näher am nächsten Wochenende als am letzten. Als Weisheit für die Mittwochshasser kann in jedem Fall gesagt sein: Die Hälfte noch vor sich zu haben, bedeutet auch immer, die Hälfte schon geschafft zu haben! 😉

Falls euch am nächsten Mittwoch auch ein Tief ereilt, helfen euch unsere Tipps vielleicht ein wenig weiter, das Glas halbvoll zu sehen 😊

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